Sinzig. Ein Konzertgenuss der besonderen Art erwartete die Besucher der jüngsten Auflage der Sinziger Schlosskonzerte mit den Zwillingsschwestern Sonja und Shanti Sungkono. Das renommierte Klavierduo gastierte zu einem Sonderkonzert im der Barbarossastadt und hätte - so viel bereits vorweg erwähnt - sicherlich einen stärkeren Publikumszulauf verdient gehabt. Mit einer Transskription des Werkes „Ein Orgelstück für eine Uhr“ von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 608) eröffneten die aus Indonesien stammenden Schwestern den konzertanten Abend. Präzise und gleichmäßig wie ein Uhrwerk spielten die beiden nebeneinander auf dem Flügel. So wie die Zeiger der Uhr über das Ziffernblatt laufen, entsprangen die Melodien dem Instrument, immer wieder den Wechsel der Zeit und der Emotionen wiedergebend. Ruhige, verspielte „Minuten“ folgten auf kraftvolle und aufbrausende „Stunden“. Ein Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Dynamiken, verbunden mit einem kraftvollen Anschlag am Instrument, spiegelte sich in der Franz Schuberts „Fantasie in f-moll“ Opus 103 DV 940 für Klavier zu vier Händen wieder. Nach der ruhig getragenen Einleitung im Mezzopiano, die eher zum Träumen und Entspannen einlud, wechselte das Thema zum kraftvollen, fast schon hart angespielten Fortissimo. Gerade das zum Teil abrupte „Abbrechen“ der übergangslos ineinander greifenden Passagen brachte immer wieder neue Empfindungen mit sich. Neben dem Wechsel der Dynamik stand der Wechsel der Gefühle im Vordergrund. Der Konzertabend, der unter der Thema „Klavier zu vier Händen“ stand, gab den Zuhörern durchaus neue Höreindrücke in zum Teil bekannte Klavierwerke. Gerade in Hinsicht auf Ausdruck, Melodieführung, Komposition und Klangfülle zeigte sich das bekannte Instrument von einer anderen Seite. Aber auch die Tatsache, dass beide Künstlerinnen an nur einem Instrument spielten, war eine Besonderheit des Abends. In nahezu perfekter Harmonie, ohne große Kommunikation untereinander, verband sich das musikalische Spiel von Sonja und Shanti Sungkono zu einem gemeinsamen Klangerlebnis. Besonders deutlich wurde diese „blinde Harmonie“ auch in der „Petite Suite“ von Claude Debussy. Das musikalische Thema spielten sich die beiden Schwestern durch die Oktaven zu, wechselten gefühlvoll zwischen ruhigen und verträumten Passagen wie zwischen freudig tänzerischen Momenten. Einen Ausflug in zeitgenössische Kompositionen unternahmen die beiden Solistinnen mit den „Schweizer Tänzen“ von Laurent Mettraux. Der im Jahre 1970 geborene Komponist beschreitet mit seinem Werk neue Wege der Kunst, zum Teil auch mit erschwertem Zugang für die Zuhörer. in grellen Tontrauben, zusammengelegt als Cluster, entwickelt sich ein teils dissonant wirkendes Gesamtbild, das sich durch eine enorm enge Tonführung und Klangdichte auszeichnet .Hinzu kommt eine teils getragene, teils aber auch abgehackt und nicht durchschaubar phrasierte Melodie, welche die Eigenwilligkeit und in sich ruhende Kraft der Eidgenossen widerspiegelt. Das Gesamtwerk ist daher einzuordnen in die Rubrik: „Schwere Kost für melodieverwöhnte Ohren“. Den Zuhörern gefiel es aber scheinbar trotzdem, denn schließlich wurde auch dieses Stück mit Sonderapplaus belohnt Klassisches stand sodann mit der „Dornröschen Suite“ Opus 66 A von Peter Iljitsch Tschaikowsky und dem Schlusspunkt des Abends, der „Espagnoles“ von Manuel de Falla, auf dem Programm. Die Besucher des jüngsten Konzertabends konnten sich aber über ein doppeltes Geschenk freuen. Zum einen erlebten sie einen Konzertabend der Spitzenklasse zu einem ungewohnt günstigen Preis, zum anderen wurde das Musikinteresse seitens der VHS auch noch mit einem Glas Sekt oder Wein in der Pause belohnt. - AW-

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