Schmerz der Gegenwart

Isabel Herzfeld (8.5.2002)

Das Musikforum Berlin-Israel praesentiert Avantgardistisches.
Die Kuenstler holten schon immer die Kartoffeln aus dem Feuer, wenn gar nichts mehr ging. Auch jetzt, in lsraels prekaerer, kritisch betrachteter Situation, ist Zusammenarbeit und vorurteilsfreier Dialog das Gebot der Stunde.

Auf Initiative des emeritierten Chorleitungsprofessors Peter Schwarz fand bereits seit einigen Jahren ein Austausch zwischen der UdK und der Jerusalem Academy of Music and Dance statt; als "Musikforum Berlin-lsrael" praesentierte dieser Arbeitskreis nun sein erstes Konzert in der Kaiser-Friedrich-Gedaechtniskirche.

Die drei Komponisten, Yinam Leef, Haim Permont und Ari Ben-Shabetai, alle Anfang der 50er Jahre geboren, verbindet das Studium bei Mark Kopytman in Jerusalem und bei George Crumb in Pennsylvania. Den originellsten, "exotischsten" Ton schlaegt dabei Ben-Shabetai an. Hoffnungsvolles Friedensgelaeute wollte "Bells - a prayer for peace" (1991) auf zwei Klavieren darstellen, doch in ihren blockhaften, gleichwohl klanglich und rhythmisch reich schattierten Kontrasten klingt Schmerz und Gewalt der Gegenwart auf.

Mit Kraft und Sensibilitaet nehmen sich die jungen Pianistinnen Sonja und Shanti Sunkono des schwierigen Werkes an, beweisen vor allern in grossartig synchronen,Uebergaengen eindrucksvolle Duo-Praesenz. 'Magreffall', von Peter Schwarz auf der Orgel interpretlert, experimentiert mit den Glissando-Effekten einer althebraeischen "Wasserorgel". Weitaus "europaeischer" zeigt sich Permont im schluessig aufgebauten, sprachaehnlichen "Epitaph" fuer Violoncello solo (Dirk Beisse) und vor allem im skriabinesken Klavierstueck "Impromptu" (Sorin Enachescu). Enachescu und der FIoetist Aaron Gabrial Dan gebenden "Bagatellen" von Yinam Leef scharf geschnittene, teils klanglich extreme Gestalt. Dieser vielleicht "avantgardistischste" Komponist lotet auch im Klavierstueck "How Far East, How Further West" (Ronny Guenther) die Kontraste splittrig-punktueller Figuren zwischen meditativen Haltepunkten aus. Das sind vor der arabischen Umgebung nicht wenig beeinflusste Klangvorstellungen, mit denen weitere Bekanntschaft demnaechst in einem zweiten geplanten Konzert moeglich sein wird.

Zurück