Schillerndes Klangpanorama Klavierduo mit den Zwillingsschwestern Sonja und Shanti Sungkono
Constanze Natosevic (15.04.03)
Klaviermusik an zwei Fluegeln stand am Samstag im kleinen Saal der Stadthalle auf dem Programm: Die zwillingsschwestern Sonja und Shanti Sungkono entfalteten ein bunt schillerndes Klangpanorama mit Werken aus Hits unterschiedlichen Epochen. Die Pianistinnen praesentierten eine erlesene Zusammenstellung aus Klassikern und Avant garde aus Hits des gaengigen Repertoires und neuen Kompositionen. Die Musik des Impressionismus lieben die beiden aus lndonesien stammenden Musikerinnen besonders, und so spielten sie zum Auftakt ihres Konzerts eines der entscheidenden Werke jener Epoche. Claude Debussy's "Prelude a l'apres-midi d'un faune" fuer Klavierduo arrangiert von Maurice Ravel. Mit klangsinnlicher lntensitaet. intonierte Sonja Sungkono des chromatische rhythmisch geloeste Motiv des Fauns. ln transparenter Tongebung umflocht Shanti Sungkono jenes beruehmte Thema mit den sanglichen Melodiepassagen der Nymphen.
Stilistisch vollkommen anders gelagert waren dann die "Variationen ueber ein Thema von Joseph Haydn" op. 56b von Johannes Brahms zu hoeren. "Bei einem Thema zu Variationen bedeutet mir eigentlich beinahe nur der Bass etwas. Aber dieser ist mir heilig. . ." das schrieb Brahms waehrend der Arbeit an den Haydn- Variationen. Diese Gewichtung auf den Bass spielte das Duo Sungkono mit machtvollem Anschlag aus. Schon die ersten paar Takte des Haydnschen Chorals sorgten fuer Gaensehaut. Die Musikerinnen bewiesen, dass Pathos und Poesie sich nicht unbedingt und immer widersprechen muessen. Tatsaechlich gelang ihnen ein musikalisch stimmiger Spagat zwischen den beiden Polen.
Sonja und Shanti Sungkono hatten es nicht leicht in dem (zurn Ferienbeginn) recht maessig besuchten Saal. Sie mussten sich ihr Publikurn erst erobern Der Durchbruch gelang den Beiden nach der Pause mit einer ungewoehnlichen Komposition von Raimo Kangro »Klimper" op. 20/4 heisst das Stueck, bei demderndern das Duo einen wahren pianistischen Klangrausch entfesselte Die Tasten wurden angeschlagen und die Klaviersaiten zu gleich gezupft, dazu mischten sich percussive Elemente. So entstand ein irrsierendes Crossover, das neue Musik mit Rockrhythmen, glockenspielartige Sequenzen mit Swingpassagen mixte Ab hier batten Sonja und Shanti Sungkono das Publikurn ganz auf ihrer Seite.
Mit Verve und Witz spielten die beiden dann Mozarts bekannte Sonate D-Dur KV448, genossen die geistreich delikaten Dissonanzen. die fuer die damalige Zeit durchaus revolutionaer waren, und brillierten mit perlenden Skalen Vielleicht fehlte den Trillern manchmal das letzte Tuepfelchen der Praezision, doch das war Nebensache. Ihr Vortrag spruehte vor Leben digkeit und machte das Wesentliche der Sonate spuerbar. Riesigen Beifall gabs zum Schluss fuer die "Danses Andalouses" von Manuel Infante. Mit Temperament und Grandezza spielten die Sungkonos diese spaniscbe Suite und das Publikum war hingerissen. Mit Bravorufen wurden die beiden Schwestern gefeiert. Zwei Zugaben machten das Konzert perfekt.
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