Faszinierendes Konzert mit zwei Klavieren im Studio der MWD
Heiteres und virtuoses Klangwerk

Gerd Buentzly (21.11.2003)

Herford (HK); Ein faszinierender Kammermusikabend war am Mittwoch im Studio der Nord-westdeutschen Philharmonie zu erleben:Die Zwillingsschwestern Sonja und Shanti Sungkono aus Indonesien begeisterten ihre Zuhoerer mit Musik fuer zwei Klaviere. Eine besondere Entdeckung war ihre Darbietung von 'Klimper' des estlaendischen Komponisten Raimo Kangro (1949 bis 2001).

Dieses heitere, aber durchaus virtuose Werk, das ernste und leichte Musik miteinander verbindet, verlangt neben 'normaler' Behandlung der Tasten auch Klaenge, die durch das Anreissen der Saiten oder aber durch Schlaege mit den flachen Haenden auf die Saiten erzeugt werden.

Den Rahmen des Programms bildeten zwei grosse Variationswerke: Das erste, die Variationen von Brahms ueber ein Thema von Joseph Haydn, kennen Klassikliebhaber als gross angelegtes Orchesterwerk. Entsprechend galt die Sorgfalt der Interpretinnen hauptsächlich den Klangabstufungen. Ihre Darbietung wirkte wie eine Zeichnung, wie sie oft in Museen als Vorstudie zu grossen Gemaelden bekannter Meister, zu bewundern ist: Gelegentlich werden dabei ueberaschende Zuege sichtbar. So fiel vor allem auf, dass Brahms' Gedanken ueber den herrlichen Choral von St. Anton nicht nur von grossem Ernst, sondern von heiterer, ja geradezu alberner Stimmung getragen ist - Rokoko eben. Ausserdem stoeberten die beiden Kuenstlerinnen in Bartoks 'Mikrokosmos', einem Zyklus von mehr als 90 Klavierstuecken; die der Komponist zu paedagogischen Zwecken geschrieben hat. Vertrackte Rhythmen und eine herbe Tonsprache kennzeichnen dieses Werk. Ausserst glaenzend war ihre Interpretation von Milhauds 'Scaramouche', einem Stueck, das nach einer Gestalt aus der Commedia dell'Arte benannt ist, einem aufschneiderischen Soldaten. Bei Mozarts Sonate D-Dur KV 448 wurde allerdings deutlich, dass dieses Werk nicht fuer die grossßen Konzertfluegel geschrieben ist; sondern fuer das Spiel auf ganz leichten Instrumenten: An einer Stelle im langsamen Mittelsatz verlangt Mozart Akkorde in der tiefen Basslage, die auf dem leichten Fluegel seiner Zeit sicherlich weniger brummig geklungen haben duerften als auf den Instrumenten im Studio.

Nachdenkenswert war der Abschluss des Kammermusikabends mit Witold Lutoslawskis Variationen ueber das 'Gloeckchen-thema' von Paganini. Dieses Werk ist nicht einfach eine weitere Variation ueber dieses ueberraschend haeufig aufgegriffene Thema, sondern ein Abschied in grellen Farben. Es parodiert die Virtuositaet aller vorherigen Versuche.

Zurück