Doppelt spielt besser
Hinreissendes Konzert mit Sonja und Shanti Sungkono
Anna Moenks (21.11.2003)
Herford. Schade, dass nur wenig Zuhoerer ins Studio der NWD gekommen waren, denn der Umkehrschluss ist, dass viele das Kammerkonzert der Pianistinnen Sonja und Shanti Sungkono am Mittwochabend verpasst haben. Pech fuer sie, denn der Abend gehoerte in die Kategorie Extraklasse.
Natuerlich spielen die jungen Zwillingsschwestern mit ihrem Doppeldasein. Von Kopf bis Fuss sind sie gleich gekleidet, selbst das Haarband sitzt passend. Man könnte meinen, Original und Spiegelbild vor sich zu haben, waere nicht ihre Art zu spielen so gaenzlich unterschiedlich. Umso erstaunlicher ist die vollkommene Einheit, die die beiden bilden.
Schon die Variationen ueber ein Thema von Joseph Haydn in der Fassung fuer zwei Klaviere von Johannes Brahms waren mitreissend. Lebendig, verspielt oder majestaetisch, die Zwillinge verstehen es, alle Nuancen des Werkes auszukosten. Sie dringen in das Werk ein und ziehen den Hoerer mit. Der Klang, den die zierlichen Indonesierinnen auf den beiden Fluegeln erzeugen, ist gewaltig, ihnen zuzuhoeren und zuzusehen ein Genuss.
Staendig stehen Sonja und Shanti Sungkono in Kontakt miteinander, sehen sich in die Augen, nicken sich zu. Vor dem Ostinato, dem letzten von sieben Stuecken aus dem Mikrokosmos von Bela Bartok, guckt Sonja Sungkono direkt herausfordernd zu ihrer Schwester hinueber, grinst leicht - und legt los. Mit Scaramouche von Darius Milhaud haben die beiden auch das letzte Herz erobert. Sie spielen das Stück mit einer solchen verschmitzten Leichtigkeit, dass sich dem Zuhoerer unwillkuerlich ein breites Laecheln aufs Gesicht schleicht. Es macht grossen Spass, den Zwillingen zuzuhoeren, und das honorieren die Herforder mit lautem Fussgetrappel schon vor der Pause.
Die zweite Halbzeit ist verblueffend. Raimo Kangros Klimper verlangt den Pianistinnen ausersserste Beweglichkeit ab. Sie hauen mit beiden Haenden auf die Saiten ein, klopfen rhythmisch auf eine Taste, deren Saite sie im Korpus festhalten und wirbeln ueber die Tastatur. Fremde Klaenge, doch keine Atonalitaet.
Dagegen wirkt der Mozart geradezu schockierend klassisch. Eine 180-Grad-Kehre legen die Sungkonos hier hin, als streckten sie den Zuhoerern die Zunge heraus: Aetsch, damit habt ihr nicht gerechnet! Was leicht schiefgehen kann, verstärkt nur den Charme der Zwillinge, zumal sie sich die mozartschen Baelle derart perfekt zuspielen, dass es tatsaechlich klingt, als spielte nur eine Person.
Oft wird gestichelt, dass Rezensenten schon aus Prinzip einen Punkt suchen, an dem sie herummaekeln koennen. Hier jedoch muss auch der schaerfste Kritiker passen. Wunderbar.
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