Hans-Dieter Grünefeld (März/April 2004)

Die Ausdehnung geografischer Mobilität im 20 Jahrhundert hat auch die Musikkulturen der Welt vernetzt. Europäische Komponisten haben sich bei diversen Nationen der Folklore bedient, um unverbrauchte Klänge zu adaptieren. Die Zwillinge Sonja & Shanti Sungkono aus Jakarta (Indonesien)haben für ihr Recital "The 20th Century Piano Duets Collection" sechs Werkeaus drei Kontinenten ausgewählt .

Nahe liegend war für sie die "Balinese Ceremonial Music" der Nachbarinsel, wo der kanadische Komponist Colin McPhee von 1932-19341ebte .Seine Suite ist eine Transliteration des Gamelan. Motorische Linearität in hellen Klangfarben verändert sich in kleinen Variationen, ähnlich dem Minimalprinzip, doch expressiv aufgeladen, wodurch das Klavierduo ein exotisches Aroma bekommt Auf eine andere Weise sind auch die "Klimper" von Raimo Kangro aus Estland exotisch, denn die perkussiven Effekte und Klischees seines Stücks wirken wie eine präzis gesteuerte Windböe, die durchs Klavier bläst Dafür können sich Sonja und Shanti Sungkono deutlich begeistern, und ihr Spiel ist klar strukturiert In die "Scaramouche Suite" von Darius Milhaud haben sie allerdings einige Tropfen zu viel Temperament gegossen, zumindest sind die Ecksätze zu hart intoniert, während das Modéré sich charmant zeigt.

Die "Sieben Stücke aus dem Mikrokosmos" von Bela Bartok schäumen oft im Tempo über, wodurch die Klangkoordinaten diffus werden .Gleiches gilt für die "Paganini-Variationen" von Witold Lutoslawski. Zu den "Danses Andalouses" von Manuel lnfante haben Sonja & Shanti Sungkono wieder eine Wellenlänge und sie swingen mit ihnen in einen südlichen Traum. Mit ihren lnterpretationen des etwas exzentrischen Repertoires erweisen sie sich als entwicklungsfähiges Klavierduo mit Zukunft

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