Schwestern präsentieren vitalen Kosmos meisterhaft
Dr. Ekkehard Gühne
Osternfelde. Pianisten sind nicht unbedingt mannschaftstaugliche Spieler. Als musikalische Einzelkämpfer lieben sie die solistische Herausforderung und beugen sich nicht gern unter das Joch des Ensemblespiels. Vielleicht ist das bei Zwillingen anders, denn sie denken und fühlen von Kindesbeinen ein im Duett.
Diesen Eindruck machten am Sonntagabend im Rittersaal des Schlosses Vornholz Sonja und Shanti Sungkono aus Indonesien. Sie gaben im Rahmen eines SOR-Meisterkonzertes vierhändig ein Konzert. Einziger optischer Unterschied: die Frauen trugen verschieden breite Gürtel. Ansonsten war alles auf Einheit ausgerichtet; auch bei den Positionen links oder rechts des Flügels wurde nach jedem Stück rotiert.
Wolfgang Amadeus Mozart darf man auch außerhalb eines Jubiläumsjahres spielen. Er machte denn auch den Anfang mit der Sonate in D-Tour (KV 381). Heiter gestimmt war wohl der sechzehnjährige Salzburger, als er das dreisätzige Stück zu Papier brachte. Es rüttelt nicht an den Grundfesten des Seins, will ganz einfach klingen. Die Technik des Ganzen war für die beiden Damen natürlich kein Thema. Musikalisch gingen sie das Werk etwas forsch und hart an, gewissermaßen mit der Ungeduld der Jugend, so dass bei aller Brillanz hier und dann noch ein Hauch von Abgeklärtheit fehlte.
Ihrem Temperament mehr entgegenkamen dann die Fantasie in f-Moll (D 940) von Franz Schubert. Der todkranke Meister schuf sie 1828 im letzten Jahr seines kurzen Lebens. Das beinah tragisch gestimmte Opus orientiert sich grob am Schema einer Sonate, ohne sich an die strenge Form binden zu wollen. Nach langer, teilweise dramatischer Reise behält dann doch das schwermütig-hartnäckige Quantenmotiv des Anfangs das letzte Wort dazwischen baute die Interpretation immer wieder imposante Kontraste auf.
Ein symbolisches Fragment von Claude Debussy (1862 bis 1918), nur einen Satz (Allegro ben marcato) stark, führte dann wieder in ein insgesamt ruhigeres Fahrwasser.
Den stärksten Eindruck hinterließ der zweite Teil des Abends, der allein Antonin Dvorak (1841 bis 1904) gewidmet war. Das gab dem Hörer Zeit, sich in die Welt eines Komponisten einzufühlen, ohne sie nach wenigen Minuten schon wieder verlassen zu müssen. Und wenn dann noch Dvoraks „Slawische Tänze“ (Op. 46) locken, dann kann man einer Einladung schwerlich widerstehen. Die slawische Seele braucht man zum Verständnis des Ganzen nicht unbedingt zu bemühen, es genügt der gesunde Menschenverstand, den es auch in Sachen Musik gibt. Die acht Tänze sind ein Feuerwerk prägnanter Rhythmik und melodischer Erfindungskraft, pflegen elegische Töne ebenso wie Ausbrüche elementarer Lebensfreude. Die beiden Schwestern verstanden es meisterhaft, diesen vitalen Kosmos ganz einfach rüber zu bringen, und das alles trotz einer schwächenden Erkältung, die hin und wieder auch zu außer musikalischen Nebengeräuschen führte. War das der Grund, dass es am Ende bei einer einzigen Zugabe blieb?
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