Tasten-Artistinnen begeisterten im Schloss
Schloßkonzert Sinzig - 13.04.05
SINZIG-mab. Sie kennen die großen Bühnen, Dirigenten und Orchester der Welt. Sie spielten In vielen Ländern, vor Politikern und Promienten. Und doch kamen Shanti und Sonja Sungkono ganz bescheiden in den Konzertsaal des Sinziger Schlosses, lächelten und bescherten den Besuchern einen einmaligen Abend. „Klavier vierhändig“ war das Konzert überschrieben und diese einst beliebte, heute aber selten gewordene Gattung, präsäntierten sie in höchster Vollendung. Sie verstanden es schon, nach den ersten Anschlägen die Zuhörer zu fesseln. Den Auftakt des Konzerts bildete Mozarts „Orgelstück für eine Uhr“. Den Auftrag für dieses Werk erhielt Wolfgang Amadeus Mozart durch einen abenteuerlichen Menschen, durch einen Herrn Müller, vormalig Joseph Graf Deym von Stritez, der gezwungen worden war Wien zu verlassen wegen eines Duells bei dem er seinen Gegner tötete. So kehrte er unter einem Decknamen zurück und gastierte mit einem „Kunstkabinett“, In welchem Wachsfiguren zu Klängen mechanischer Musikautomaten gezeigt wurden. Für diese Automaten schuf Mozart unter anderem auch dieses Werk. Zeitgenossen schrieben „Mit Schlag jeder Stunde lässt sich eine Trauer Muskique hören, und wird alle Woche eine andere seyn. Diese Woche ist die Composition von Hrn. Kapellmeister Mozart. “Weil die Fantasien nicht für menschliche. Aufführung konzipiert werden, sind sie sogar für vier Hände äußerst schwierig zu spielen. Mit Bravour meisterten die beiden charmanten Künstlerinnen tief versunken in das Werk Mozarts Komposition. Sie gaben die Musik nicht einfach wieder, sie erlebten die Werke des Abends nach.
Perfekte Zelebrierung
Die Gattung „Klaviermusik zu vier Händen“ entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer weit verbreiteten Form des häuslichen Miteinander-Musizierens. So wurde sie auch zum Feld für Franz Schubert, der hier für zahlreiche Märsche, Tänze und Rondos komponierte. Den Höhepunkt von Schuberts Klavierduo-Schaffen stellt die Fantasie f-moll D 940 aus seinem Sterbejahr 1828 dar, ein Werk geprägt von Trauer und Verzweiflung. Fast.heftige und vom Duo in Perfektion zelebrierte Höhepunkte fallen zurück in das zarte Thema, das sich wie ein klagender roter Faden durch das Stück zieht. Den Abschluss des ersten Teils bildete die „Petite Suite“, welche Claude Debussy nach Gedichten von Paul Verlaine verfasste. Diese Gedichte schwanken zwischen höfischer Galanteile und Pantomime und so klingt auch Debussys Werk. Rauschender Beifall entließ die Künstlerinnen in die Pause.
Folkore verfremdet
„Schweizer Tänze“ nannte der 1970 geborene Kamponist Laurent Mettraux ein Werk, das im Schloss seine deutsche Erstaufführung erlebte. Wer aber hier einen seligen Musikantenstadel erwartete, der wurde eines besseren belehrt. Zwar basieren die Sätze „Ländler, Coraules, Polka, Zwergengalopp, Totentanz und Tanz vom wilden Mann“ auf Themen der Schweizer Volksmusik, doch werden diese umspielt und absolut verfremdet Das Publikum war begeistert von der Artistik, welche Shanti und Sonja Sungkono gerade auch in diesem Werk an den Tag legte. Totaler Kontrast wurde geboten, als der Wilde Mann von Dornröschen abgelöst wurde. Tschaikowskys Werk wurde von Rachmaninoff für Klavier zu vier Händen bearbeitet Auch hier hatte der Zuhörer und Zuschauer den Eindruck, die beiden Künstlerinnen würden eins mit dem alten Blüthner-Flügel, so emotional gestalteten sie die Sätze bis hin zum rauschenden Walzer. Die schmissigen Passagen aus „Deux Danses“ von Manuel de Falla setzten einen rasanten Schlusspunkt, der von lang anhaltendem Beifall gefolgt wurde. Die Schlosskonzerte haben in den drei Jahren ihrer Bestehens schon manch qualitätvolle Aufführung geboten. Dies war ohne Zweifel ein ganz besonderer Abend.
Zurück
Zurück zu Diskographie
Zurück zu Diskographie