Zwillingspianistinnen verleihen Klassik neue Würze
Von Mario Koch
Wie man es von Zwillingen erwartet, sehen sich die 33-jährigen Schönheiten Sonja und Shanti Sungkono vollkommen ähnlich und sind außerdem beste Freundinnen. Eben diese Nähe ermöglicht nicht nur ihr außergewöhnliches Wechselspiel als im Jahre 1996 gegründetes, gefeiertes Pianoduo sondern birgt zuweilen auch amüsante Momente für „Außenstehende".
„Für ein Pianoduo, das langfristig zusammen auftreten will, ist es von höchster Wichtigkeit, im alltäglichen Leben gut miteinander auszukommen," sagte Sonja in einem Gespräch mit The Jakarta Post. „Im Gegensatz zu vielen anderen Duos sind wir nicht zwei miteinander konkurrierende Solisten. Zwischen uns gibt es keine Rivalität. Wenn wir eine Auseinandersetzung haben, fragen wir uns stets, was ist wichtiger - wir oder die Musik, und die Antwort fällt jedesmal zugunsten der Musik aus", fügte Shanti hinzu.
Geboren und aufgewachsen in Jakarta, gingen die Sungkonos 1992 nach Europa. Im Alter von fünf Jahren hatten sie mit dem Klavierspiel begonnen und studierten ab 1994 zunächst Musikpädagogik, bevor sie sich an Berlins renommierter Hochschule der Künste (jetzt Universität der Künste) als Pianoduo konstituierten, ihre Studien als solches fortsetzten und 2001 abschlossen. Ihr ganzes Leben war zu dieser Zeit auf die Vervollkommnung ihrer musikalischen Fähigkeiten ausgerichtet. Wie Sonja es ausdrückte: "Während des Studiums saßen wir täglich acht Stunden am Klavier. Nicht weil es uns so viel Spaß gemacht hätte, sondern weil es furchtbar an unserem Gewissen genagt hätte, wenn wir nicht geübt hätten."
Der Umzug der Schwestern in ein fernes Land, ihr Kampf mit diversen Problemen, mit denen sie zu Beginn ihrer Karriere konfrontiert waren, haben sich ausgezahlt. Ab 1997 nahmen Sonja und Shanti an mehreren Meisterkursen an verschiedenen Orten der Welt teil, sie erhielten Stipendien der bekannten Jürgen-Sellheim-Stiftung in den Jahren 1999 und 2000 und brachten zwei hochgelobte CDs - Werke für 2 Klaviere (2002) und Stücke für 2 Klaviere des 20. Jahrhunderts (2004) heraus. Sie gewannen renommierte Preise beim Internationalen Dranoff-Wettbewerb für 2 Klaviere 1999 in den USA und dem Torneo Internationale di Musica 2001 in den USA sowie mehrere bedeutende Preise in ihrer musikalischen Heimat Deutschland.
Ihre inspirierenden Konzerte führten sie durch Nord- und Südamerika und nahezu ganz Europa, bevor sie am vergangenen Mittwoch ihr Debüt im Hotel Dharmawangsa in Süd-Jakarta gaben.
Auf Einladung des Rotary Club Menteng, Steinway Pianos und der deutschen Botschaft spielten sie bei einer Benefizveranstaltung deren Erlös chirurgischen Eingriffen am offenen Herzen bei Kindern mittelloser Eltern sowie der Renovierung von Schulen zugutekommt.Wohltätigkeit hat stets eine wichtige Rolle im Programm des Duos gespielt. Nach dem verheerenden Tsunami im vergangenen Jahr gaben sie ein Benefizkonzert für Aceh in Berlin.
„Die Erwartungen an unsere Premiere zu Hause waren sehr hoch, und auch wir selbst standen unter Druck", sagte Sonja. „In den Nächten vor dem Konzert konnte ich nicht sehr gut schlafen und war vor dem Auftritt noch nervöser als sonst." „Zurückschauend ist man nie völlig zufrieden mit seiner Leistung - man sollte es auch nicht sein - aber alles in allem, denken wir, daß es gut war," ergänzte Shanti. Dass sie Zwillinge sind, ist sicher ein begünstigender Umstand für ihre meisterhafte Synchronisation, ihr müheloses Zusammenspiel und ihre Fähigkeit, sich gegenseitig zu neuen Höhepunkten anzuspornen.
„Wir können uns auf eine Art natürliches Verstehen verlassen. Aber das Spiel als Duo ist psychologisch noch immer kompliziert, denn man ist nicht für sich selbst, sondern auch für die Partnerin verantwortlich." "Dennoch ist es uns eine echte Freude, aufzutreten. Die Bühne ist unsere Lehrerin. Während eines Konzertes kann man weitaus bedeutendere Änderungen und Verbesserungen erreichen als während der Proben." fügte Shanti hinzu.
Heute haben sie dafür wesentlich weniger Zeit als während des Studiums. Beide sind als Musiklehrerinnen in Berlin tätig und Shanti ist die stolze Mama eines 20 Monate alten Jungen, Chesta Saskara Gordon ."Unserer Probenstil hat sich irgendwie geändert, im Laufe der Jahre sind wir sind von Quantität zu Qualität übergegangen mit einem wesentlich höheren Maß an Intensität und Tiefgründigkeit. Und Chesta ist eine wunderbare Inspiration für uns," lächelte sie. „Wie Sie sich denken können, wollen wir es natürlich bis an die Spitze schaffen. Aber wir sind auch überzeugt, dass es keinen Sinn hat, völlig auf sein Privatleben für etwas so unsicheres wie eine Karriere in der klassischen Musik aufzugeben. Und wenn unser Leben als solches facettenreich ist, dann ist es auch unser Musikleben," fuhr sie fort. Diese feste Überzeugung begründet sich möglicherweise auf der Tatsache, daß sie von der Familie getrennt sind. Eine ihrer Schwestern lebt in den USA, die drei anderen und ihre Mutter in Jakarta. Seit sie vor 13 Jahren weggingen, sind sie selten zu Hause gewesen.
„Jetzt wohnen wir bei unserer Schwester. Wenn wir nicht bei unserer Familie sein könnten, würden wir uns doch ein wenig wie Fremde fühlen. Natürlich gibt es jede Menge Orte, die mit Kindheitserinnerungen verbunden sind, aber das Jakarta von heute ist ein völlig anderes, als das, welches wir Anfang der 90er Jahre verlassen haben," meinte Sonja. Dennoch verfolgen die Zwillinge die Entwicklung ihres Heimatlandes mit allergrößtem Interesse. „Es ist gut zu sehen, daß sich endlich ein paar Dinge in diesem Land ändern. Die Menschen scheinen selbstbewußter. Breitere Bevölkerungsschichten scheinen von ihrem Recht auf Meinungs- und Redefreiheit Gebrauch zu machen," ergänzte Shanti. „Aber was sich noch immer nicht geändert hat, ist die eklatante Armut, in der viele Menschen leben," sagte Sonja. „Ich war zutiefst schockiert über die Preise für Lebensmittel und habe mich ernsthaft gefragt, wie die Ärmsten der Armen es anstellen sollen, zurechtzukommen."
Mit dem Erlös des Konzertes vom vergangenen Mittwoch tragen die Schwestern ihr Scherflein bei zur Verbesserung des Schicksals einiger von der jüngsten Entwicklung in Indonesien Übergangenen oder auch absichtlich Ausgegrenzten.
Virtuose und beeindruckende Pianistinnen, mit beiden Beinen auf der Erde stehend, menschliche und schöne junge Frauen - die indonesischen Berliner Sonja und Shanti Sungkono bereichern die Klassikszene mit ihrer eigenen, ganz persönlichen Note.
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