Temperament in vier Händen
Das indonesische Zwillingspaar Sonja und Shanti Sungkono begeisterte

Von Johannes Hasenkamp

Ostbevern. Wenn man die Augen schloss, konnte man sich das Bild der Familie Mozart von Johann Nepomuk de la Croce gut vorstellen: in vornehmer Umgebung Wolfgang und Nannerl aus Salzburg am Hammerklavier. Wie er eine Hand übersetzt. Eine der Sonaten von 1172 erklingt. Die indonesischen Zwillings schwestern Sonja und Shanti Sungkono aus Djakarta spielen am Steinway-Flügel im Rittersaal von Schloss Loburg.

Es ist Sonntag. Draußen Sonnenschein und Hagel. Die Zuhörer erleben die Sonate KV 381 KV 123 a. Ob die Sonate im Rittersaal so geklungen hat wie damals? Müßige Fraße! Mit Feuer gehen die Zwillingsschwestern das Allegro an, reihen temperamentvoll die Töne. Wahrscheinlich nicht so locker und österreichisch wie damals eher präzise-berlinerisch. Die beiden haben an der Spree studiert. Nach einem energischen Allegro kommt das Andante ruhig bewegt, weicher, fast besinnlich. Übermütig sprudelnd folgt der Schluss: Da sind die beiden in ihrem Element.

Die Schwestern Sonja und Shanti boten einen der heute seltenen Abende mit Klaviermusik zu vier Händen, jener Art von Musik bei der vier Hände an einem Tasteninstrument orchestrale Fülle vortäuschen und - wie hier - zwei Personen in der Aufführung zu einer verschmelzen. Mochte man bei der einen mehr energische Härte bei der anderen mehr warme Genauigkeit hören, das Ergebnis war einstimmig. Virtuosität und Geist sprühten, Energie und Genauigkeit verbanden sich.

Gelegentlich war mehr Abstufung und Feinheit denkbar, Wichtig war jedoch, dass sie musikalische Erlebnisse vermittelten. Und das bei sehr verschiedenartigen Werken. Der Mozart-Sonate folgte Schuberts melodisch blühen da Fantasie f-moll op. 103 (D 940) mit schicksalhaft wechselnden Stimmungen Musik wurde zum Erlebnis. Dagegen verharrte die Symphonie h-uroll von Debussy mehr im raffiniert Klangliehen und differenziert Rhythmischen, war eine Unterhaltungsmusik auf hohem Niveau. Das sind Dvoraks acht "Slawische Tänze" zu vier Händen natürlich auch. Die Schwestern Sungkono ließen Töne und Rhythmen tanzen. Bekannte Klänge erschienen frisch und wie neu. Das Rhythmische lag ihnen besonders, für das Melodische könnten sie sich ruhig mehr Zeit nehmen. Trotzdem: mitreißend! Die erste Zugabe führte klanglich in eine andere Welt mit feinen impressionistischen Zügen. Das Reich der Mitte wurde beschworen im chinesischen Marsch, aus Ravels Suite „Ma Märe l'oye" von 1908. Sonja und Shanti Sungkono bewiesen eine verblüffende Vielseitigkeit im Ausdruck: Es mangelte nicht an Beifall.

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